Antwort auf ULW-Anfrage „Stadttaubenmanagement“


„Erhebliche Zunahme der Taubenplage im Rheingauviertel – Stadttaubenmanagement“

Ob in der Innenstadt, im Hauptbahnhof oder im Rheingauviertel, Wiesbaden hat ein massives Taubenproblem und braucht dringendst eine Eindämmung der wild brütenden Tauben.

Während Tierschützer sich gerade auch in Corona-Zeiten dafür einsetzen, dass Tauben nicht verhungern und die Aufhebung des Fütterungsverbots fordern, erreichen uns Klagen geplagter Anwohner, zuletzt aus dem Europaviertel, denn die Zustände und die Belästigung durch wild brütende Tauben vor allem auf den Balkonen, aber auch in (und unter) Bäumen und Büschen sind in diesem Jahr eskaliert und stellen inzwischen eine erhebliche Belästigung dar. Jedem Besucher der Stadt fallen sofort die unter Bäumen geparkten Pkw auf, die über und über mit Kot besudelt sind. Doch dieses emsige Treiben in den Baumkronen ist nicht das einzig Auffällige, die Bewohner verbarrikadieren ihre Balkone, müssen alle möglichen Abwehrmaßnahmen treffen (wie Glitzerbänder und/oder CDs aufzuhängen, Netze zu installieren etc.), um ständige Brutversuche von Tauben abzuwehren. Ein störungsfreies Sitzen auf den Balkonen ist vielen Bewohnen seit Wochen nicht mehr möglich. Anwohner berichten zudem, dass Spielplätze so verdreckt sind, dass die Kinder diese nur bedingt nutzen könnten (Beispiel Spielplätze in der Adolfsallee und am Wallufer Platz).

Die Stadt Wiesbaden setzt nun auf ein flächendeckendes Stadttaubenmanagement. Dazu gehört, wie die Taubenbeauftragte Alexandra Weyrather ausführt (Interview in der FR v. 05.04.2020):

„Das Gesamtkonzept sieht unter anderem die flächendeckende Geburtenkontrolle in Schlägen und wilden Brutplätzen vor. Die wilden Brutplätze sollten, wenn sie nicht betreut werden können, am besten geschlossen werden, wenn das möglich ist, etwa in leerstehenden Häusern oder auf Dachböden.“
Und:
„Wir sind gerade dabei, die Zahl der Taubenschläge, wo die Tiere gefüttert und ihre Eier durch Gipseier ausgetauscht werden, zu erhöhen und suchen weitere Standorte. Einige Schläge sind nicht voll besetzt. Wir versuchen daher die Fütterung außerhalb der Schläge zu vermeiden, um deren Akzeptanz zu erhöhen.“

Am Hauptbahnhof, so ergab eine städtische Taubenzählung, ist die Zahl der wilden Nachkommen der Haustauben in der Bahnhofshalle von 2017 bis 2019 von 60 auf 160 und an den drei Außenseiten von 200 auf 870 gestiegen. Der Presse zu entnehmen war, dass die Deutsche Bahn im Wiesbadener Hauptbahnhof keinen weiteren Taubenschlag einrichten möchte, da die Erfahrungen mit zwei Taubenschlägen von 2008 bis 2012 miserabel gewesen seien (so Benjamin Schmidt vom DB Bahnhofsmanagement Darmstadt in der FR v. 17.03.2020): „Die Verschmutzung war größer, die Bausubstanz durch den Kot gefährdet und es gab viele Kundenbeschwerden.“ Seiner Ansicht nach haben die Fütterungen in den Schlägen dazu geführt, dass sich die Tiere vermehrten. Nachdem die Schläge abgebaut worden seien, habe sich der Bestand verringert und der Bahnhof sei sauberer geworden. Auch an der Finanzierung des Projekts wolle sich die Deutsche Bahn nicht beteiligen.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:

  1. Sucht die Stadt nun bereits nach weiteren Standorten in Bahnhofsnähe?

    Antwort des Magistrats: „Es ist zunächst anzumerken, dass ein einzelner Taubenschlag am Bahnhof nicht zu einer schnellen Reduzierung der Taubenpopulation am Bahnhof bzw. der gesamten Stadt führen wird, da es hierfür deutlich mehr betreuter Schläge mit Geburtenkontrollen im gesamten Stadtgebiet bzw. Bahnhof bedarf. Deswegen wurde das Stadttaubenprojekt initiiert, welches ein umfassendes Konzept zur Reduzierung der Tauben vorsieht. Die Stadt wird in diesem Rahmen auch ihre Bemühungen fortsetzen, die Lage am Bahnhof zu verbessern und neue Lösungsansätze zu finden. Die Errichtung weiterer Schläge in Bahnhofsnähe ist dabei unter anderem ein vordringliches Ziel, um den Tauben einen Aufenthaltsort zu bieten, an dem sie niemanden stören, und um auf die Vermehrung der Tiere Einfluss zu nehmen.
    Als erster Schritt wurden mit Beschluss Nr. 0055 des Umweltausschusses städtische Ämter und Gesellschaften aufgefordert, die Einrichtung von Taubenschlägen in der Nähe des Bahn­ hofs und der Innenstadt zu prüfen. Das Ergebnis wird in einer der nächsten Sitzungen des Umweltausschusses präsentiert werden.
    Darüber hinaus gibt es konkrete Planungen für einen Taubenschlag im Lillien-Carre.

  2. Wo sind inzwischen tatsächlich neue Schläge eingerichtet worden? Im Dach des Gebäudes des Straßenverkehrsamtes in der George-Marshall-Straße 4 befindet sich offensichtlich ein solcher Taubenschlag, der entweder voll besetzt ist oder nicht richtig betreut wird. Denn die Tauben nisten auf zahlreichen Balkonen, in Büschen und Bäumen (sichtbar auch an umliegenden Fassaden und Dächern, insbesondere am Gebäude George-Marshall-Str. 9-11, denn eigentlich erst vor wenigen Wochen frisch gestrichen).

    Antwort des Magistrats: „In Wiesbaden gibt es derzeit vier betreute Taubenschläge (Straßenverkehrsamt, Standes­ amt, Parkhausdach der Mauritiusgalerie sowie am Kranzplatz). Der Schlag im Straßenver­ kehrsamt ist derzeit nicht voll besetzt, wird aber gut angenommen und beherbergt zahlreiche brütende Paare, deren Eier kontinuierlich ausgetauscht werden. Die Population ist durch den jahrelangen Eiertausch deutlich zurückgegangen. Die Betreuung des Schlages ist vorbildlich und erfolgt über den Verein Stadttaubenhilfe Mainz/Wiesbaden e. V., deren Helfer über gro­ßes Fachwissen verfügen. Trotzdem kann es natürlich sein, dass Tauben (die z. B. aus der Umgebung kommen) auch andere Brutplätze, die ihnen passend erscheinen, nutzen. Ferner ist – wie bereits oben angesprochen – ein Taubenschlag im Lilien-Carre in der konkreten Pla­nung.“
  3. Auch wenn die Vorteile eines solchen Schlags überwiegen (wenn die Tauben sich dort aufhalten, Futter und Wasser bekommen und ihren Kot dort absetzen können, sie damit gesünder und zudem durch den Austausch von Eiern in ihrer Vermehrung eingedämmt werden), von einer Verminderung der Belästigung und einer Eindämmung der Vermehrung merken die Bewohner Wiesbadens bisher nichts, im Gegenteil. Daher unsere Frage:
    Was ist hier das höhere zu schützende Gut, das gesunde Tauben- oder störungsfreie Leben der Anwohner?

    Antwort des Magistrats: „Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat mit dem Stadttaubenprojekt ein Konzept entwickelt, das den Tierschutz in Einklang mit dem Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger bringt. Dieses Konzept zur Regulierung der Stadttaubenpopulation ist dabei ein langfristiges Projekt, welches für eine gesamtstädtische Umsetzung von allen Bürgerinnen und Bürgern, Unter- . nehmen und Verwaltung getragen werden muss. Allerdings werden auch an wilden Brutplät­ zen, wie z. B. in Parkhäusern, auf Balkonen und in Hinterhöfen, von ehrenamtlichen Helfern Eier ausgetauscht.
    Aufgrund der schwierigen Standortsituation für Taubenschläge arbeitet die Fachverwaltung parallel auch an anderen Lösungsansätzen. Diese müssen jedoch immer tierschutzgerecht sein, da das Tierschutzgesetz auch für Stadttauben gilt und diese nicht als Schädlinge einge­ stuft sind. Die Schließung wilder Brutplätze bzw. das Verhindern des Nachwuchses durch Ei­ ertausch ist derzeit aber die einzige Möglichkeit zur tierschutzgerechten und somit rechtlich zulässigen Populationskontrolle von Stadttauben.
    Hierbei ist die Stadt natürlich auch auf die Mithilfe und den guten Willen der Bevölkerung an­ gewiesen, wildes Brüten von Stadttauben auf dem jeweils eigenen Grundstück oder Balkon nicht zu dulden, dem z. B; durch entsprechende Vergrämungsmaßnahmen vorzubeugen und das Anlocken der Tauben durch Füttern zu unterlassen. In manchen Fällen ist das Problem auch „hausgemacht“, wenn insbesondere Wohnungsinhaber Tauben auf ihren Balkonen mit Futter anlocken oder sogar das Brüten der Tiere bei sich dulden.“

  4. Wie schätzt der Magistrat die Gesundheitsgefährdung von Kleinkindern und Kindern durch Taubenkotverschmutzung der Spielplätze ein (am Beispiel der aktuellen Situation der Spielplätze in der Adolfsallee und am Wallufer Platz)?

    Antwort des Magistrats: „Die Gesundheitsgefahr im Alltagsleben durch Stadttaubenkot wird als äußerst gering bewer­ tet. Generell sollte zur Vorbeugung einer Gefahr durch mögliche Krankheitserreger jedoch insbesondere darauf geachtet werden, dass Kleinkinder nicht Tierkot jeglicher Art zu sich nehmen können.“
  5. Gibt es Erkenntnisse bzw. sind Fälle bekannt, wo eine Reinigung von Spielplätzen aufgrund des Taubenkots erforderlich war? Falls ja, wie hoch waren die angefallenen Kosten?

    Antwort des Magistrats: „Nach Rücksprache mit dem für die Reinigung zuständigen Grünflächenamt ist eine Sonder­reinigung von Spielplätzen aufgrund von Taubenkot in der Vergangenheit nicht bekannt. Im vergangenen Jahr wurde jedoch der Spielplatz in der Adolfsallee sondergereinigt, da durch die dort vorhandene Starenpopulation eine starke Verunreinigung entstanden war. Für weitere Informationen, auch zu den Reinigungsintervallen auf den Spielplätzen, steht das zu­ ständige Grünflächenamt gerne zur Verfügung.“

Gez. Veit Wilhelmy

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