Die traurige Berühmtheit von ,,Filzbaden“


erschienen VRME-Paper am 12. Januar 2019

Meine Wochenschau: Die traurige Berühmtheit von ,,Filzbaden“

Wie schon 2007 könnte die Landeshauptstadt mit einer OB-Wahl in den bundes­weiten Fokus rücken / Was kommt noch raus?

Von Birgit Emnet

WIESBADEN. Schon einmal, vor fast zwölf Jahren, geriet Wiesbaden im Zusammenhang mit einer Oberbürger­ meisterwahl bundesweit in den Fokus: Das war 2007, als die Wiesbadener SPD vergaß, ihren Kandidaten Emst­ Ewald Roth anzumelden. Damals trat der Parteivorstand zurück, zwei Monate später siegte der CDU-Bewerber Helmut Müller sozusagen ohne Gegenwehr.

Jetzt, 2019, sollen sich auch wieder überregionale Medien für Wiesbaden interessieren. Der Hessische Rundfunk hat sich bereits für die Sitzung des Revisionsausschusses am Mittwoch angemeldet. Auch sollen Nachrichtenmaga­zine ihre Fühler nach Wiesbaden ausstrecken. Stichwort diesmal „Filzbaden“, ein Begriff, der schon einige Zeit kursiert und den sich die Kleinstfraktion LKR & ULW zuerst zu eigen gemacht hat. Deren Stadtverordneter war es auch, der in der Dezember-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung den Magistrat fragte, ob Mitglieder des Aufsichtsrats der städtischen Holding WVV „insbesondere im zeitlichen Zusammenhang mit der Berufung Ralph Schülers zum Geschäftsführer Vorteile erhalten beziehungsweise angenommen“ hätten. Oberbürg­ermeister Sven Gerich (SPD) antwortete darauf, dass dies für seine Person nicht der Fall gewesen sei. In diesem Kontext wiegt die Offenlegung des geschassten WVV-Geschäftsführers Schüler schwer, er habe 2014 zwischen seiner Berufung durch den Magistrat und der Zustimmung des WVV-Aufsichtsrates den Chef beider Gremien, Sven Gerich, nebst Mann zu einer gemeinsamen Luxusreise nach Andalusien weitgehend eingeladen. Auch wenn die Stoßrichtung des tief Gefallenen auf der Hand liegt: Er will Gerich im OB-Wahlkampf schaden. Der vorgetra­gene Grund Schülers, in eigener Sache reinen Tisch zu machen, ist fadenscheinig.

Ob nun die erneute Versicherung des OB, er habe, wie im Falle Kuffler, lediglich die freundschaftliche Beziehung gesehen, weiter greift, wird die nähere Zukunft erweisen. Am 24. Januar nominiert die SPD ihren OB-Kandidaten, der bis dato Sven Gerich heißt. Kann sein, dass in der Sondersitzung des Revisionsausschusses neue Aspekte zuta­ ge treten, denn da geht es in erster Linie um den OB und seine Privaturlaube bei Kuffler und mit Schüler. Kann auch sein, dass jetzt die Büchse der Pandora geöffnet ist und nun noch weitere für Gerich brisante Fälle ans Licht kommen.

Ob es dann noch nutzt, wenn der OB sich reumütig zeigt wie in seiner aktuellen Stellungnahme? ,,Ich bedaure sehr, welches Bild die Wiesbadener Kommunalpolitik derzeit in der Öffentlichkeit bietet. Ich weiß, dass ich daran nicht unschuldig bin.“ Kommt jetzt noch mehr heraus, dann wird es eng für Gerich.

 

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