Bei Förderung von E-Rädern hinkt Wiesbaden hinterher


Artikel erschienen im Wiesbadener Kurier 19.01.2019

„Mein Rad“-Verleihsystem wird um Pedelecs erweitert und Wiesbaden plant Kaufprämie für Lastenfahrräder. Andere Städte greifen für die Verkehrswende aber tiefer in die Tasche.

WIESBADEN – Keine langwierige und teure Parkplatzsuche, wenig Verbrauch, geringe Anschaffungskosten und hoch nach Sonnenberg fahren ist damit auch kein Problem: Roller, Mopeds oder Fahrräder mit Elektro-Antrieb können eine gute Ergänzung zu Auto oder Bus und Bahn sein. Und auch eine Ladeinfrastruktur wird nicht benötigt, weil die Akkus zu Hause an der Steckdose geladen werden können.
Zwar sind auf Wiesbadens Straßen mittlerweile immer mehr E-Räder unterwegs – die Kaufentscheidung für ein Modell mit Akku bedeutet aber aktuell auch noch, dass man für sein Gefährt tiefer in die Tasche greifen muss. Dabei kann „leichte“ Elektro-Mobilität gerade in einer verkehrsgeplagten Stadt wie Wiesbaden etwas Entlastung bringen, denn ein Großteil der derzeit mit dem Auto zurückgelegten Strecken sind kürzer als zehn Kilometer, sogar etwa die Hälfte weniger als fünf.

Deshalb hat die Stadtverordnetenversammlung jetzt nach einem Antrag der Fraktion ULW beschlossen, den Fokus vermehrt auf die leichte E-Mobilität zu legen und diese mehr zu fördern. Denn hier hapert es vor allem beim Thema Kaufanreiz: Während es bundesweit Kaufprämien für Elektro-Autos gibt, liegt die Verantwortung für die Zweiräder bei den Städten und Kommunen. Und da gibt es deutliche Unterschiede, wie viel bei der Finanzierung, beispielsweise eines E-Rollers, zugeschossen wird. Von 150 Euro in Mainz (Elektro-Fahrräder 100 Euro), bis hin zu 1000 Euro in München geht die Spannweite.

In Wiesbaden bietet Eswe Versorgung bereits seit mehreren Jahren den Stromkunden eine freiwillige Förderung von Elektro-Autos und Elektro-Rollern an, die im Versorgungsgebiet von Eswe Versorgung zugelassen werden, führt Frank Rolle, Sprecher von Eswe Versorgung, aus. „Für einen E-Roller beträgt der Zuschuss 50 Euro. Das wurde im vergangenen Jahr 80 Mal in Anspruch genommen.“ Aber das ist eben nur für Eswe-Kunden möglich.
In Wiesbaden bestätigt das Verkehrsdezernat zwar die Rolle der leichten E-Mobilität als „wichtigen Baustein, um Emissionen einzusparen und somit die Luftqualität zu verbessern“, erteilt der höheren Förderung von E-Rollern oder E-Rädern aber eine Absage: „Aktuell konzentriert sich das Dezernat auf die Förderung für Lastenräder.“ Ob diese später noch um weitere Transportmittel erweitert werde, stehe derzeit noch nicht fest. „Die Nutzung von (Lasten-) Fahrrädern mit Elektro-Antrieb ist in manchen Gebieten der Stadt aus topografischen Gründen natürlich besonders attraktiv“, sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne).

Genaue Kaufprämie steht noch nicht fest

Start für die finanzielle Förderung von Lastenrädern ist in diesem Frühjahr. Um welche Summe es bei der Kaufprämie konkret gehen wird, steht laut Verkehrsdezernat noch nicht fest. Klar ist jetzt schon, dass sowohl E-Lastenräder als auch mit reiner Muskelkraft betriebene Lastenfahrräder gefördert werden sollen. Und es gibt noch eine weitere Ankündigung im Bereich Elektro-Mobilität: Das „Mein Rad“-Verleihsystem von Eswe Verkehr wird noch in diesem Jahr um Pedelecs und Elektro-Lastenräder erweitert.
In anderen Städten geht man noch weiter: So hat Oberhausen so gute Erfahrungen mit einem Pilot-Projekt für ein Sharingsystem für Elektro-Roller gemacht, dass der kommunale Energieversorger die Roller-Flotte sogar noch mal aufgestockt hat. Etwas ähnliches sei derzeit in Wiesbaden nicht geplant: Das Verkehrsdezernat „beobachtet derzeit den Markt und schaut auf Erfahrungen, die andere Städte mit solchen Systemen sammeln“.

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