Zusammenhang zwischen erhöhten Stickoxidwerten und erhöhter Allergenproduktion von Birken


Fragestunde gemäß § 48 der Geschäftsordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 06.09.2018

Immer mehr Menschen – auch in Wiesbaden – leiden unter Pollenallergien. Die Pflanzen, die am häufigsten für starke Allergien verantwortlich sind, sind die Birke und die Haselnuss.
Neueste Forschungsergebnisse legen nahe, dass nicht nur Menschen sondern auch die Flora und Fauna durch erhöhte Stickoxidwerte belastet werden. So scheint es einen Zusammenhang zwischen erhöhten Stickoxydwerten und einer erhöhten Allergenproduktion von Birken zu geben.

Ich frage daher den Magistrat:

  1. Wie viele Birken und Haselnussbäume beziehungsweise -sträucher gibt es auf dem Gebiet der LH Wiesbaden schätzungsweise und wie viele sind zum Beispiel im Baumkataster erfasst.
  2. Gibt es Schwerpunkte dieser Art von Bepflanzung im Stadtgebiet? Wenn ja, wo?
  3. Erachtet es der Magistrat als sinnvoll die Pflanzen, die hauptverantwortlich für Allergiebeschwerden in der Wiesbadener Bevölkerung gelten durch andere (weniger belastende) Baumarten zu ersetzen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, in welchem Zeitraum?

Die Frage des Stadtverordneten Herrn Wilhelmy beantworte ich wie folgt:

Zu 1: Über die Anzahl der beiden Baumarten im Stadtgebiet insgesamt liegen dem Grünflächenamt keine Daten vor. Im städtischen Baumkataster sind 896 Stück Baumhasel, 15 Stück Haselnuss (Großstrauch) und 1.957 Stück Birken erfasst. Das Grünflächenamt betreut die Baumbestände der Wege und Straßen, Grünanlagen, Kinderspielplätzen und Friedhöfe.

Über die Anzahl vorhandener Haseln oder Birken auf privaten Flächen liegen im Umweltamt keine Erhebungen vor. Die auf den vom Umweltamt verwalteten Flächen stehenden Bäume sind derzeit nicht in einem Baumkataster nach Bau­ marten erfasst. Diese Flächen befinden sich zudem überwiegend in unbebauten Außenbereichsgebieten. Der Baumbestand an den Wiesbadener Fließgewässern ist primär von Erlen, Weiden und Pappeln bewachsen. Vereinzelt finden sich allein stehende Birken und Haselnussbäume sowie standortfremde Gehölze.

Zu 2: Standorte beider Baumarten sind über das Stadtgebiet verteilt. Schwerpunkte bei der Verteilung der Birken liegen im Bereich der Friedhöfe. Besonders viele Birken befinden sich auf folgenden Friedhöfen: Südfriedhof, Nordfriedhof, Biebrich, Sonnenberg, Dotzheim, Bierstadt und Mainz-Kostheim. Schwerpunkte Baumhasel: im Straßenbegleitgrün, überwiegend in den Ortsteilen Mitte, Westend/Bleichstraße, Nordost und Südost.

Birken und Haselnusssträucher finden sich als Pioniergehölze auch auf den Flächen in unbebauten Außenbezirken.

Zu 3: Nein. Allergien sind weit verbreitet und gehen von einer Vielzahl von verschiedenen Pflanzen aus. Es ist nicht im Interesse der Allgemeinheit , jede allergieauslösende Bepflanzung zu entfernen.                                                ·

Die Baumschutzsatzung räumt die Möglichkeit ein, einen Fällantrag auf eine bestehende Allergie zu stützen (s. § 5 Abs. 1 Nr. 4 Baumschutzsatzung). Auf Allergien basierte Anträge sind jedoch sehr differenziert zu prüfen und können nur genehmigt werden, wenn im Einzelfall eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Gesundheit belegt wird und wenn nachgewiesen werden kann, dass ein Baum ursächlich für die gesundheitliche Beeinträchtigung steht. Dies zeigt, dass eine Entscheidung immer auf die genauen Umstände des Einzelfalles abzustimmen ist.

Grundsätzlich dienen Birken und Baumhaseln dem in § 1 Baumschutzsatzung beschriebenen Ziel und Schutzzweck. Dadurch ist eine flächendeckende Rodung als unverhältnismäßig anzusehen. Haseln liefern mit ihren Früchten wertvolle energiereiche Nahrung für verschiedene Tierarten. Birkenkätzchen werden von verschiedenen Vogelarten als Nahrungs­ quelle genutzt. Die Pollen der vorgenannten Gehölze stellen zudem eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten dar.

Eine vielfältige Gestaltung von Freiflächen ist auch unter dem Aspekt der Biodiversität anzustreben.

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